Neues Leben, Tag 1

Es ist gar nicht so einfach, sich daran zu gewöhnen, dass man kein schlechtes Gewissen haben muss. Vielleicht sollte ich mich auch nicht allzu sehr daran gewöhnen, weil so wie ich mich kenne, werde ich bald wieder zahlreiche Gründe für das beklemmende Ziehen im Bauch haben. Aber heute gibt es keinen einzigen Grund dafür.

Ich habe eine Tasche voller Bücher in die Bibliothek zurück gebracht (ok, ich könnte mich schlecht fühlen, weil ich eines offenbar irgendwo verschluddert habe, aber bis Mitte Januar sollte ich es finden können, und bis dann habe ich die Leihfrist verlängert), ich war endlich auf der Bank und habe meinen Studi-Ausweis präsentiert (obwohl, dabei hätte ich ja auch ein schlechtes Gewissen entwickeln können, was ich aber nicht gemacht habe), ich war im Büro und habe sogar ein bisschen gearbeitet (und mich von meinem Lieblingschef zum Abendessen einladen lassen, was ich mir nicht wirklich verdient habe heute und auch nicht dadurch, dass ich in letzter Zeit nicht soo viel im Büro war und wenn doch, dann mit Dingen beschäftigt, die nicht unbedingt zu meinen Kernaufgaben gehören). Ich habe auch endlich meinem Nachbar das Paket gebracht, das eine gemeinsame Bekannte an mich geschickt hat, weil der Pöstler behauptet hat, mein Nachbar wohne nicht in diesem Haus, was er aber offensichtlich doch tut (ja, ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil das Paket wochenlang bei mir rumlag, aber jetzt hat er das Ding ja wieder).

Ich habe noch nicht die ganzen Unterlagen zu dem gebündelt, was sie ab heute sind: Altpapier. Aber das kann noch warten. Schliesslich muss ich ja am Tag 2 des neuen Lebens auch noch was zu tun haben.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter häusliches

2 Antworten zu “Neues Leben, Tag 1

  1. Zeline

    Das Problem mit dem schlechten Gewissen ist: es hat oft nur sekundär mit den Dingen rund um uns herum zu tun (z.B. mit dem Liz, oder Master-Arbeit, wie’s ja heute heisst), sondern es hat sich bereits tief in uns hineingefressen. Somit kann es bei jeder beliebigen Tätigkeit, die man tun „sollte“, ganz frech wieder aufploppen: bei der Jobsuche, bei Aktivismus, Haushalt oder in Freundschaften.
    (ich hab mein Liz vor über zwei Jahren abgegeben, aber das „beklemmende Ziehen im Bauch“ begleitet mich immer noch…)
    –> ist das ein Produkt unserer Leistungsgesellschaft? Warum ist überhaupt das Gefühl so oft da, etwas tun zu „müssen“? Wer geniesst denn eigentlich noch ohne schlechtes Gewissen den Müssiggang?

  2. Vielleicht hast du recht, es ist nicht leicht, einfach Müssi zu gehen. Aber ich werde mir alle Mühe geben, das (wieder) zu geniessen lernen!

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