Systemtheorie: Die Welt ist kompliziert, alles ist mit allem verbunden

Dank einer Luhmann-Diskussion beim morgentlichen Kaffee bin ich später beim surfen recherchieren auf eine bitterböse Abrechnung mit Luhmann von Dirk Käsler (Spiegel 1984) gestossen. Der Text ist wirklich lesenswert, hier nur ein kleiner Auszug:

„Dabei steckt hinter der Fassade ungeheurer Schwierigkeit und einem komplizierten Räderwerk artistischer Begrifflichkeit lediglich eine Handvoll simpler Sätze: Die Welt ist kompliziert, alles ist mit allem verbunden, der Mensch erträgt nur ein begrenztes Maß an Kompliziertheit. Die Suggestion absoluter Originalität wird verstärkt durch die Schaffung einer Theoriesprache, die nur den „Eingeweihten“ zugänglich ist.“ (Dirk Käsler im Spiegel, 1984)

Das wird Luhmann natürlich nicht gerecht, lustig finde ich es aber allemal (ich bin ja schliesslich eingeweiht). Und ja, um auf die Diskussion von heute Morgen zurück zu kommen: ich befürworte einen Fähigkeitsausweise für alle, die über Systemtheorie sprechen wollen. Kann ja nicht sein, dass man fürs Autofahren einen Schein braucht, aber jeder dahergelaufene Schlendrian die Systemtheorie an die Wand fahren darf!

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2 Kommentare

Eingeordnet unter bildung, wissenschaft

2 Antworten zu “Systemtheorie: Die Welt ist kompliziert, alles ist mit allem verbunden

  1. Wie nett, diese Aufmerksamkeit, nach Jahr(zehnt)en!

    Aktuell, zum Thema:

    http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=13837

    Gute Frühstücke, weiterhin,

    Dirk Kaesler

  2. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit (innert Stunden!) und auch den Link; der aktuellen Analyse kann ich mich durchaus anschliessen.

    Das Fazit der verlinkten Glosse – „Nüchterne Einsicht in die Grundlagen unserer gegenwärtigen Lage sind jedenfalls besser dazu geeignet, über Systemalternativen nachzudenken als normative Forderungen zu erheben“ – bringt die Stärke der Luhmannschen Systhemtheorie auf den Punkt: es geht um eine nüchterne Analyse, die vieles sichtbar macht.
    Häufig wird an der Systhemtheorie kritisiert, was man nicht sieht (also zum Beispiel „den Menschen“), ohne zu gucken, was sichtbar wird.
    Das ist als ob man an Fondue bemängelt, dass es kein Fleisch drin hat, und sich deshalb das käsige Vergnügen entgehen lässt…

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