Benzin, Pizza und Nachtarbeitsverbot

Das Bundesgericht hat gemäss NZZ das Verbot des Verkaufs von Tiefkühlpizzas in Tankstellen-Shops unter anderem darum geschützt, weil das Volk nachts keine Pizza will: „Von der Mehrheit der Bevölkerung werde das Fehlen der fraglichen Waren in der Nacht nicht als erheblicher Mangel empfunden.“ Gut, nicht das ganze Volk, das war etwas übertrieben, aber immerhin die Mehrheit will keine Tiefkühlpizza kaufen in der Nacht. Ausserdem könnte das Bedürfnis nach Tiefkühlpizza „in zumutbarer Weise während der ordentlichen Arbeits- und Öffnungszeiten abgedeckt werden“, zitiert die NZZ das Bundesgericht weiter.

Natürlich kann man sich fragen, ob das Nachtarbeitverbot sinnvoll ist, weil es Menschen vor ungesunden Arbeitszeiten und der ständigen Verfügbarkeit für Unternehmen schützen soll, oder ob es eine dumme Idee aus früheren Zeiten ist, weil viele Leute auf die Jobs angewiesen sind und manch einer lieber nachts arbeitet als den ganzen Tag. So oder so; das Nachtarbeitsverbot gibt’s nun mal und das Bundesgericht kann nicht viel mehr tun, als dieses einigermassen nachvollziehbar auszulegen.

Wobei sich da allerdings die Frage stellt, ob wir nachts überhaupt offene Tankstellen brauchen: die Mehrheit der Bevölkerung geht auch nicht nachts tanken und es wäre ja auch durchaus zumutbar, all die Autos tagsüber vollzutanken. Vielleicht ist BP in diesem Fall ja sogar mit einem blauen Auge davon gekommen. Vielleicht werden aber auch die Bedürfnisse von Nachtschwärmern anders gewichtet als jene von Autofahrern und das Nachtarbeitsverbot wird einfach so verbogen und verzogen, wie es Leuten mit einer starken Lobby passt.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter gerechtigkeit

Eine Antwort zu “Benzin, Pizza und Nachtarbeitsverbot

  1. Jonas

    Lustig finde ich, dass beide Parteien nur von der Kundschaft sprechen: das Gericht meint, diese hätte nicht in der Nacht einzukaufen, weil das sowieso die Mehrheit nicht tue, die Vertreter der Tankstellen stellen fest, dass die Kundinnen und Kunden total verwirrt sein und zu weinen beginnen würden, wenn sie zwar eine Tasse Kaffee, aber keine Tiefkühlpizza* bekämen. Das schätze ich an der funktional differenzierten Gesellschaft: im einen Moment entscheiden die Politikerinnen und Politiker darüber, was für mich als Stimmbürger wohl das beste ist, im nächsten Moment entscheidet die SBB, wofür ich als Fahrgast Verständnis aufbringe** und schliesslich kümmern sich Tankstellenketten und Bundesgericht zusammen darum mein Bedürfnisse als Tiefkühlpizzakäufer zu definieren.
    Übrigens: Obwohl es auf den ersten Blick so scheint, als sei die Argumentation des Bundesgericht noch ein klein wenig dümmer als die der Tankstellenbetreiberinnen und Betreiber, ist erstere schlussendlich doch ziemlich einleuchtend. Um es in der Business-Sprache aus Obelix GmbH & CO.KG*** auszudrücken: Du-andere-Öffnungszeiten-haben-wollen, du-diesbezügliches-Gesetz-ändern-müssen.

    * Ist Tiefkühlpizza eigentlich das Code-Wort für Bier, oder gibt es des Nachts wirklich Tausende, die in die Tankstellenshops pilgern um Tiefkühlpizza zu kaufen?
    ** Durchsage im Zug: „Der Anschluss konnte leider nicht abgewartet werden. Wir danken für ihr Verständnis.“
    *** Band 23 der Asterix-Reihe

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