Das Volk will keine Weiber

Kaum hat Moritz Leuenberger seinen Rücktritt angekündigt, stürzen sich die Medien in ein fröhliches Nachfolge-Raten. Das ist ja auch würdig und recht. Alles andere als würdig und recht sind allerdings viele der Kommentare zum BlickOnline Artikel über die „Volksbefragung“ zur Nachfolge:

Linus Good, Oetwil a.d.L. – 10:37 | 11.07.2010

„Hat die SP in der Deutsch-Schweiz keine fähigen Männer mehr? Wenn man die Leistungen der Frauen im Bundesrat näher betrachtet, sieht deren Bilanz nicht sehr rosig aus.“

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Wilhelm Tell, Schweiz – 00:56 | 11.07.2010

„Der Ausruf sei erlaubt: Bitte um Gottes Willen NICHT noch eine Frau im Bundsrat! Wir haben diesen Zickenkrieg satt!! Seit Frauen im Gremium sind, „chlöpft“ es immer wieder.“

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Urs Holzer, Buchs – 08:21 | 11.07.2010

„Ich finde die Frau Sommaruga als genau die Richtige Nachfolgerin für den Moritzli – sie hat mehr Pfiff,ist Volksnah und kann uns „Bützer“ in Bern gut vertreten – OK es wären dann 4 Wibber im Bundesrat,denoch besser regieren kann Sie allemal!“

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martin meier, trubschachen – 16:02 | 11.07.2010

„Nur nicht noch mehr Frauen in den Bundesrat, dann können wir unsere Schweiz verkaufen.“

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René Scodeller, Luzern – 12:16 | 11.07.2010

„Bitte keine Frau,und auch keine Linke und Grüne in den Bundesrat.“

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Alfred Hänni, Lanzenhäusern – 11:59 | 11.07.2010

„Die Frauen sind schon mit 3 Mandaten zuviel vertreten. Hoffentlich wird keine Frau gewählt!!!!“

So lange es ok ist, dass so viele Männer so gehässiges, frauenfeindliches Zeugs in der Öffentlichkeit rumpausenen, hat es offensichtlich noch nicht genug Bundesrätinnen gehabt.

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9 Kommentare

Eingeordnet unter öffentlicher raum, Feminismus, gender, medien, politik

9 Antworten zu “Das Volk will keine Weiber

  1. Sicher, diese sechs Kommentare sind unter aller Sau. Doch kann man daraus gleich auf „das Volk“ schliessen? BlickOnline ist nicht unbedingt für seine intellektuell hochstehenden Artikel bekannt, dass manche seiner Leser eine vierte Frau im Bundesrat nicht „würdig und recht“ kommentieren, ist in solchen politischen Beiträgen leider nichts aussergewöhnliches. Ich denke, man fände ohne grossen Aufwand auch sechs Leute, die weil Sommaruga eine Frau ist diese begrüssen würden.

  2. Bin mit dir grundsätzlich einverstanden, Daniel; natürlich finden sich viele Leute (vielleicht sogar eine Mehrheit), die nichts gegen Frauen im Bundesrat haben, und „das Volk“ schreibt man entweder aus nationalistischer Verblödung heraus oder ironisch. Aber kannst du dir vorstellen, dass jemand (bzw. gleich sechs von zwanzig) einen Kommentar in diesem Ton und mit solchen Pauschalisierungen über die Romands schreibt? Und nur weils jemand schreibt; warum wird das von der Redaktion stehen gelassen?

  3. Ja, dass jemand in solchem Ton auch über Romands schreibt, kann ich mir leider durchaus vorstellen (wie auch über Muslime, Deutsche, Linke, Rechte, Grosse, Kleine..)
    Zur 2. Frage: Dass die Redaktion von BlickOnline diese Kommentare stehen liess, kann m.E. zwei Gründe haben: a) Sie finden die obigen Kommentare nicht schlimm genug, sie zu zensieren, oder b) die Kommentare werden nicht oder nur sehr schlecht moderiert.
    Zum Schluss noch ein Artikel der NZZ: http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/maenner_sind_nicht_ausgeschlossen_1.6513712.html

  4. Frau Rhabarber

    hats nicht amigs beim herr blocher auch geklöpft? so von wegen kollegialität und so? das ist doch genau das, was gemeinhin als „zickenkrieg“ bezeichnet wird? heisst das etwa…?

  5. sie wollen doch nicht etwa andeuten, frau rhabarber, herr dr. blocher sei eine zicke ohne eier??

  6. Mir kommt dazu nur ein Zitat in den Sinn, als Frau Mauch in Zürich gewählt wurde. Ich finde unseren Bundesrat, überaltert und führungsschwach. Egal ob Mann oder Frau, ob SVP, BDP, SP, CVP oder FDP.

    Von einem Bundesrat erwarte ich Führungsstärke. Das heisst, Durchsetzungsvermögen auch bei unbequemen Entscheidungen. Auch wenn ich mich mit diesem Satz wohl hier nicht beliebt mache, der einzige, der Ahnung von Führung hatte, war Blocher.

    Wer von den aktuellen Bundesräten hat schon einmal ein Unternehmen erfolgreich geführt?

  7. Ein guter Führer muss nicht unbedingt gut für ein Land sein, mir fallen einige Beispiele ein, wo Leute mit ausgezeichnetem Führungsgespür ziemlich viel Unheil angerichtet haben…
    Das Schweizer System ist auf eine kollegiale Exekutive ausgelegt, (nicht nur) deshalb halte ich „Führerpersönlichkeiten“ im Bundesrat nicht unbedingt für eine gute Wahl.

  8. Nun gut, wo Führungspersönlichkeiten zusammenkommen, da könnte es definitiv ziemliches Gerangel um die Führungsposition aller Führungspositionen kommen. Das wäre aber innerhalb.

    Ich hätte mir Beispielsweise bei der Gaddafi Sache eine Führungspersönlichkeit gewünscht, die nicht nur ja und amen gesagt hätte, sondern richtig auf den Tisch geklopft hätte. Oder bist du der Meinung, dass Merz da alles so richtig gut gemacht hat?

  9. Ob es besser raus gekommen wäre, wenn er „richtig auf den Tisch geklopft“ hätte, wage ich zu bezweifeln…

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