Zehn Gebote des modernen Journalismus

Christian Müller predigt auf Klartext die zehn Gebote des modernen Journalismus.

So rät er den Journis von heute zunächst „die zeitaufwendige Aneignung von Wissen im voraus“ zu sparen und möglichst bald zu schreiben anfangen. Nicht nur Wissen, sondern auch „orthographische Kenntnisse sind reiner Ballast„, genau so wie herkömmliche Grammatik. „Verwende bewusst zeitgeistige Wörter wie “geil” oder “cool” oder “mega”“ empfiehlt er weiter, denn „nichts schadet deinem Image mehr als die Duden-konforme Sprache eines Schullehrers„. Auch wenn er lieber „ein neues Gerücht als eine alte Wahrheit“ liest, empfiehlt er aus Unterlagen von Medienkonferenzen wortgetreu wiederzugeben (in der zeitgeistigen Sprache heisst das übrigens copy-pasten). Um sich einen Namen zu machen, soll man am besten „zu möglichst vielen unterschiedlichen Themen“ schreiben und am besten Kommentare und/oder Kolumnen, „da fällt die mühsame Fakten-Beschaffung weg„. Und das beste am ganzen: „Da du dein Werk nach Drucklegung (oder elektronischem Versand) selber wiederlesen und beurteilen kannst, brauchen dich externe Kritiken nicht zu beunruhigen.

Ich wäre versucht das ganze als Satire zu betrachten, sähe die Neuen Luzerner Zeitung nicht so aus, als wären diese Gebote integraler Bestandteil aller Autoren-Verträge.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter bildung, medien, Spass

2 Antworten zu “Zehn Gebote des modernen Journalismus

  1. Jonas

    Am besten schreibt man sowieso über sich selber. Was interessieren Wirtschaftskrise, Kriege und Hungersnot, wenn wir erfahren können, was für ein mega geiles bzw. cooles Gimmick sich ein oder eine Journi neulich gekauft hat, welche Socken er oder sie völlig out findet und mit wem er oder sie wann rumvögelt? Pünktlich zur Weihnachtssaison kann diese Nichtigkeiten-Diarrhoe in Buchform herausgebracht werden, auf dass auch Freunde und Verwandte damit belästigt werden.

    P.S. Das Ganze lässt sich noch steigern, indem darüber geschrieben wird, wie es ist, diesen ganzen Schwachsinn zu schreiben. Und das absolute non plus ultra wird erreicht, wenn man die Reaktionen reflektiert, welche das inhaltslose Geschreibsel bei der hehren Leserinnen- und Leserschaft ausgelöst hat.

    P.P.S. Ich gebe durchaus zu, dass dieser ganze Kommentar von mir aus einer gewissen Perspektive noch als eine Steigerung des von mir kritisierten Nonsens betrachtet werden kann. Aber ich habe drum gestern meine Socken gewaschen oder so.

  2. @ Jonas: JournalistInnen kaufen die Gimmicks nicht, sie bekommen sie von den Firmen direkt in die Redaktion geschickt. Darum sind die Gimmicks dann auch immer mega, cool & geil.

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