Fatih Akin sagt Reise in die Schweiz ab

Hiermit verkünde ich meinen Protest gegen den Volksentscheid der Schweiz gegen den Bau von Minaretten an Moscheen. Dieser Volksentscheid widerspricht meinem Verständnis von Humanismus, Toleranz und dem Glauben daran, dass ein harmonisches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Rasse und Religion möglich sein muss.

Da ich Kind moslemischer Eltern bin, die in Minaretten keinen politischen Islam, sondern lediglich die vollständige Architektur ihrer Gotteshäuser sehen, fühle ich mich durch den Volksentscheid auch persönlich betroffen.

Deswegen weigere ich mich, in die Schweiz einzureisen. Ich werde am 16. Dezember 2009 nicht zur Schweizer Premiere meines Films “Soul Kitchen” erscheinen, um meinen Film dort zu bewerben.

Ich möchte durch meine Abwesenheit meinen Unmut ausdrücken. Mehr liegt leider nicht in meiner Hand.

Ich kann mir das Votum der Schweizer gegen den Minarettenbau nur mit Angst erklären. Angst ist die Quelle allen Übels. “Angst essen Seele auf” heißt ein Film von Rainer Werner Fassbinder. Vielleicht hat die Angst in der Schweiz schon zu viele Seelen aufgegessen.

Offener Brief an Schweizer Presse von Fatih Akin, Hamburger Regisseur (z.B. „Gegen die Wand“ und „Auf der anderen Seite“). Brief ist z.B. hier veröffentlicht.

via Feyd

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7 Kommentare

Eingeordnet unter gerechtigkeit, kultur und truur, medien, Minarett, politik

7 Antworten zu “Fatih Akin sagt Reise in die Schweiz ab

  1. Pingback: Angst essen Seele auf: Fatih Akin sagt Teilnahme an Premiere in der Schweiz ab « Feyd Braybrook's Blog

  2. Feli

    Aus welchen Gründen auch immer Fatih Akin zu diesem Entschluss gekommen ist, ob nun aus Werbegründen oder aus tatsächlichem Beleidigtsein, er hat der hier lebenden türkischen Bevölkerung einen Riesengefallen getan, da er damit den Eindruck erweckt, dass selbst bei jemandem wie ihm die Integration nur scheinbar und das Demokratieverständnis recht defizitär ist.

    Abgesehen davon, dass Akin geflissentlich übergeht, dass Muslimen in der Schweiz keineswegs die Ausübung ihrer Religion untersagt wird und sie durchaus Moscheen bauen dürfen, entzieht es sich offenbar auch seiner Kenntnis , dass es überhaupt keine Bauvorschriften für Moscheen gibt und daher ein Minarett nicht notwendiger Bestandteil einer Moschee ist.

    Insofern ist dieser offene Brief eine einzige Peinlichkeit und es bleibt zu hoffen, dass er in seinem Beleidigtsein wenigstens so konsequent ist, zukünftig auch die Fördergelder für seine Filme abzulehnen.

  3. Jonas

    Hallo Feli
    Du übergehst geflissentlich, dass Akin nirgends erwähnt, dass den Muslimen in der Schweiz die Ausübung ihrer Religion verboten würde. Er schreibt im ersten Satz explizit, dass es um den Bau von Minaretten geht.
    Und sein Demokratieverständnis scheint durchaus intakt zu sein, so richtet er seinen Protest gegen den Entscheid des Schweizer Volkes. Er hat also erkannt, woher der Unsinn mit dem Minarett-Verbot kam.
    An Deinem Demokratieverständnis zweifle ich jedoch. Du scheinst für die Diktatur der Mehrheit zu sein. Das beweist Du damit, dass es für Dich logisch ist, dass jemand, der oder die die Mehrheit kritisiert, keinen Anspruch auf Fördergelder hat (wobei in diesem Fall noch zu untersuchen wäre, inwieweit die Schweiz in Deutschland Förderbeiträge für den Film spricht). Für Dich scheint Demokratie ein probater Vorwand zu sein, das Denken einzustellen. Angst essen nicht nur Seele auf, sondern auch den Verstand.

    • Feli

      Akin erklärt das Minarettverbot durchaus zu einem Religionsverbot, denn nur aus dieser Gleichsetzung lässt sich ein Beleidigtsein ableiten. Durch das Minarettverbot verbietet niemand seinen Eltern das Beten, ebensowenig die Errichtung von Gebetshäusern.

      Mein Demokratieverständnis ist völlig in Ordnung, und daher respektiere ich die Entscheidung der Schweizer. Nur die, die diese demokratische Entscheidung entwerten, haben offenkundig ein höchst defizitäres Demokratieverständnis.

      Ich finde es auch traurig, dass zu solchen Entschlüssen kommt, allerdings darf man die Gründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben, nicht unberücksichtigt lassen.

      Und genau das tut Fatih Akin. Er verkehrt Ursache und Wirkung, negiert, dass diese Entscheidung weniger in Vorurteilen als in reiner Empirie begründet ist.

      In bezug auf die Fördergelder, es wäre doch ein schöner Zug von ihm, wenn er darauf verzichten würde. Es wäre dann wenigstens konsequent. Aber soweit reicht das Beleidigtsein dann doch nicht.

      Was die Unsachlichkeit Ihres Kommentar betrifft, ich habe keineswegs mein Denken eingestellt, verfüge offenkundig nur über ein etwas fundierteres Wissen als Sie.

      Und daher bleibe ich auch dabei, den integrierten und säkularen Türken, die selbst den Moscheebauten zunehmend skeptisch gegenüber stehen, die diejenigen sind, die von der versuchten Islamisierung betroffen sind (siehe hier Stellungnahmen der alevitischen Gemeinde in Deutschland) hat Akin mit seinem Auftritt einen Riesengefallen getan.

      Manchmal empfiehlt sich, in Dingen, in denen man sich nicht auskennt, die Klappe zu halten. Ein „Migrationshintergrund“ allein macht einen noch lange nicht zu einem Fachmann.

  4. Jonas

    🙂

    Bei so viel fundiertem Wissen ist es wohl nicht mehr nötig, auf den Gegenstand Bezug zu nehmen.

  5. @ Feli: So wie ich Akin verstehe, fasst er das Minarett-Verbot als eine Diskriminierung aufgrund von Religionszugehörigkeit auf und protestiert durch sein nicht-Erscheinen gegen diese Diskriminierung. Diskriminierung und Demokratie geht nach meinem Verständnis der Demokratie nicht zusammen. Akin, Jonas und ich sind mit dieser Meinung nicht allein, das sehen eigentlich so ziemlich alle mir bekannten Staatsrechtsprofessoren genau gleich.

    Eine Diskriminierung liegt beim Minarett-Verbot zweifellos vor: denn einem Teil von Schweizer Bürgern wird verboten, einen Turm neben ihr Gotteshaus zu bauen, und zwar ausschliesslich darum, weil sie Muslime sind. Hindus, Siebenten-Tags-Adventisten und die koreanisch-reformierte Kirche: sie alle dürfen einen Turm bauen (wenn sie sich an das Baurecht halten), Muslime nicht.

    Wie weit die Religionsfreiheit tangiert ist, ist eine andere Frage. Tatsächlich kann man weiter beten als Muslim und eine Moschee bauen. Ob das alles ist, was die Religionsfreiheit ausmacht, könnte man diskutieren (ich denke, es braucht mehr). Aber Akin geht es um die Diskriminierung, und die kann man nicht wegdiskutieren.

  6. Minarett-Verbot hin oder her: der Film ist echt lustig und sehenswert!!

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